Auf den Spuren der „Silcher"

Bernburger Friedrich-Silcher-Chor feiert 170-jähriges Jubiläum mit einer Ausstellung

Von Katharina Thormann

MZ-Presseartikel Auf den Spuren der „Silcher" vom 12.09.2008 Bernburg/MZ. „Das ist doch mein Großvater“ und „so sah also die Kleidung 1850 aus“. Genau diese Überraschungseffekte erhoffen sich die Mitglieder des Friedrich-Silcher-Chores Bernburg. Denn sie haben für ihr 170-jähriges Jubiläum einen kulturellen Rückblick in die Geschichte der Stadt und vor allem in die der Sängergruppe vorbereitet. Am heutigen Abend wird die Ausstellung im Foyer des Bernburger Theaters für interessierte Besucher eröffnet.

„Wir haben einen großen Kraftakt hinter uns“, erzählt Chorleiterin Vera Böhlk und meint damit hauptsächlich die vergangenen drei Wochen, in denen sie, die Vereinsvorsitzende Ute Kirchof und noch weitere Chormitglieder ununterbrochen die Tiefen der Archive durchforstet und mit großer Sorgfalt die eigenen Unterlagen zusammengetragen haben. „Mit all diesen Informationen kann nun erstmals eine derartige Ausstellung über den ältesten Chor Bernburgs stattfinden“, fiebert Chorleiterin Böhlk dem heutigen Abend entgegen.

Dort erfahren die Gäste auch warum im 19. Jahrhundert nur die Männer das Privileg hatten sich zu einer Sängergruppe zu vereinigen.

„Für jede Altersklasse ist etwas dabei.“ Vera Böhlk Chorleiterin

So gründeten auch die in der Saalestadt niedergelassenen Mittelständler und Arbeiter die „Bernburger Liedertafel“ am 5. März 1838. Das war der geschichtliche Ausgangpunkt der heutigen „Silcher“. Erst 24 Jahre später fand sich zudem der Bernburger Männergesangsverein „Harmonia“ zusammen. Beide vereinten sich im Jahr 1934.

Zu Kriegszeiten musste der Chor bedingt durch die vielen fehlenden Männer eine Gesangpause einlegen, um dann 1948 wieder voll durchstarten zu können. Der Name „Liedertafel-Harmonia“ wurde jedoch als nicht mehr zeitgemäß befunden, so dass man sich am 1. Januar 1950 in den „Männerchor Friedrich-Silcher“ nach einem deutschen Komponisten umbenannte.

Die geselligen Chormitglieder veranstalteten neben Auftritten auch zahlreiche familiäre Aktivitäten, zu denen die Frauen und Kinder herzlich willkommen waren. So ergab es sich, dass auch die Ehegattinnen das Notenblatt in die Hand Namen und losträllerten. Zuerst aus Spaß, später in ihrem eigenen Chor - dem Friedlich-Silcher-Frau-enchor. Immer häufiger ergab es sich, dass die singenden Damen zu Auftritten der Herren benötigt wurden. Da die Mitgliederzahl der Sänger sank, entschied man sich im Jahr 1997 die beiden Gesangsgruppen zu einem gemischten Chor zusammenzuschließen.

Und auch die demographische Entwicklung ging an diesem Traditionschor nicht spurlos vorbei. Deshalb waren die Mitglieder gezwungen der stetigen Abwanderung entgegenzuwirken. Mit Erfolg. Der im Jahr 2002 vom Silcher-Chor gegründete Cantalino-Kinderchor wuchs von acht auf heute 40 Mitglieder und auch der Projektchor, der in Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt entstand, erfreut sich großer Beliebtheit. Dabei ist das Liedgut der drei Chöre auch verglichen mit den traditionellen Gesängen der musikalischen Choranfänge höchst unterschiedlich. Früher wurde besonders die Literatur des 19. Jahrhunderts in den Liedern aufgegriffen und bekannte Opernchöre vorgetragen. Der jugendliche Projektchor befasst sich hingegen beispielsweise mit moderner Klassik.

„Für jede Altersklasse ist etwas dabei“, so Böhlk. Das begründet die hohe Mitgliederzahl von derzeit 96 aktiven Sängern, die sich für die heutige Ausstellung vorgenommen haben den Gästen eine besondere Sicht auf die kulturellen Geschehnisse der Stadt zu geben.

Die Ausstellung wird heute um 19 Uhr im Foyer des Theaters Bernburg eröffnet. Der Eintritt ist kostenfrei.

friedrich-silcher-chor_bernburg/presse-20080912.txt · Zuletzt geändert: 2008/09/12 07:06 von Olaf Böhlk
 
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